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Dienstag, 27. August 2019

Ausstellung "sichtbar|unsichtbar"


26.09.2109 - 26.01.2020 


Vernissage mit Programm 
am 26.09.2019 um 19 Uhr.


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Was erzählen Schatten und Licht über Hoffnung?
Kann man Demut sehen?
Hat Gnade eine Farbe?

Gedichte, Fotografien und Wort über 
Wert, Wirkung und Wunder 
in Sichbarem und Unsichtbarem.


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Hoffnungskirche (großer Saal), Clara-Zetkin-Str. 30, 
01159 Dresden

geöffnet:

~ innerhalb der Öffnungszeiten des Pfarramtes: Di, Do 9-12; Do 15-18 Uhr 
~ vor, während und nach den Gottesdiensten und Veranstaltungen (www.frieden-hoffnung.de)
~ Führungen möglich unter post@utacarolinethom.de 

Montag, 30. April 2018

Eines Tages (Metamorphose)



Eines Tages
wird sich erheben der Grashalm
um Mohnblume zu werden.

Wird sich erheben der Stein
um Wolke zu werden.

Wird sich erheben die Träne
um Stern zu werden.

Wird sich erheben der Mensch
um Mensch zu werden.
Eines Tages.

Hans Leopold Davi


Montag, 27. Februar 2017

klare auf wie ein tag



dreh dich um und sieh die kehrseite
entkleide dich des besserwissens
munkel von geheimnissen
verspinne den zank
herze die güte
umlächle den eifer
lockere die eigentumsrechte
knistere mit gefühl
umschwärme die stille
lass dich besonnen
entzweie den streit
unterbiete dich nicht
rauche den zorn
schmecke kühnheit
verlängere die zeit mit geraume
genieße das wohnrecht im heiligen
lass dich verwirren
necke das rosarot
wickel dich selbst um den finger
löffel aus was du nicht eingebrockt hast
umgarne die einsamkeit
ummantel das verlorene
taue vor dem brennenden dornbusch
bleib vernarrt in die liebe
entsteine das ich
entfache den funkenflug
bleib stehen und fließe
erwäge die morgenstunde
schmücke die erinnerungen
betöre das mißfallen
zieh an den schwächen segel auf
entsafte den ärger
rieche nach hingabe
klare auf wie ein tag...

andere zeiten kalender 2016/17

Mittwoch, 4. Januar 2017

alles wandelt sich


Alles wandelt sich. Neu beginnen
Kannst du mit dem letzten Atemzug.
Aber was geschehen, ist geschehen. Und das Wasser
Das du in den Wein gossest, kannst du
Nicht mehr herausschütten.

Was geschehen, ist geschehen. Das Wasser
Das du in den Wein gossest, kannst du
Nicht mehr herausschütten, aber
Alles wandelt sich. Neu beginnen
Kannst du mit dem letzten Atemzug.

Bertolt Brecht

 

Sonntag, 10. Juli 2016

Feuer und Wasser


Gott ist rundum gegenwärtig
feurig zur Linken,
abgeklärt zur Rechten...
Wer sich in die Glut wagt,
taucht plötzlich im klaren Wasser wieder auf,
und wer in den kühlen Strom springt,
dessen Kopf ragt plötzlich aus dem Feuer.
Die meisten Menschen hüten sich vor dem Feuer
und landen darin...
Wer Gott mag,
dem ist die Glut der Leidenschaft Wasser.
Du solltest dir hunderttausend Paar
Mottenflügel wünschen
und jede Nacht eines verbrennen.



(Rumi)

Freitag, 24. Juli 2015

sozusagen grundlos vergnügt


Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
- Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.

Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht
Und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, daß ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
- Weil er sich selber liebt - den nächsten lieben.
Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, daß ich ... Daß ich mich freu.

Mascha Kaleko
 

Montag, 8. Juni 2015

Als mich selbst zu lieben begann...

Als ich mich selbst zu lieben begann,
erkannte ich, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
nicht gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man “Authentisch-Sein”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, wie sehr es jemanden verletzen kann,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß, das nennt man “Selbstachtung”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen,
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man “Reife”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, genau zum richtigen Zeitpunkt geschieht.
Von da konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich “Selbstvertrauen”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man “Einfachheit”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit,
was nicht gesund für mich war -
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, was mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das "gesunden Egoismus",
aber heute weiß ich, das ist "Selbstliebe”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt, das nennt man “Bescheidenheit”.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
hörte ich auf in der Vergangenheit zu leben
und mir über die Zukunft Sorgen zu machen.
Jetzt lebe ich nur im Moment, wo ALLES geschieht.
Ich lebe ich jeden Tag neu und nenne es "Erfüllung".

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken verwirren oder krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner,
diese Verbindung nenne ich heute “Herzensweisheit”.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne prallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich, das ist das Leben!

Charlie Chaplin


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Überall


Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpfenband
Wie irgendwo daneben.

Überall ist Dunkelheit.
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
Stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.

Wenn du einen Schneck behauchst,
Schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weiße Mäuse.


Joachim Ringelnatz

Freitag, 11. Oktober 2013

Haiku

 
Ja, kleine Schnecke
Besteige den Berg Fuji
Aber ganz langsam

Kobayashi Issa (1763-1827)

Freitag, 5. Juli 2013

Noir Desir - Des Armes


Leo Ferré 
Des Armes - Paroles

Des armes, des chouettes, des brillantes,
Des qu'il faut nettoyer souvent pour le plaisir
Et qu'il faut caresser comme pour le plaisir
L'autre, celui qui fait rêver les communiantes

Des armes bleues comme la terre,
Des qu'il faut se garder au chaud au fond de l'âme,
Dans les yeux, dans le coeur, dans les bras d'une femme
Qu'on garde au fond de soi comme on garde un mystère

Des armes au secret des jours,
Sous l'herbe, dans le ciel, et puis dans l'écriture,
Des qui vous font rêver très tard dans les lectures,
Et qui mettent la poésie dans les discours.

Des armes, des armes, des armes,
Et des poètes de service à la gâchette
Pour mettre le feu aux dernières cigarettes
Au bout d'un vers français brillant comme une larme.



Donnerstag, 13. Juni 2013

Bitte


Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen,
wir werden durchnäßt
bis auf die Herzhaut,

Der Wunsch nach Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht,
der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten,
der Wunsch verschont zu bleiben,
taugt nicht.

Es taugt die Bitte,
daß bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe.
Daß die Frucht so bunt wie die Blüte sei,
daß noch die Blätter der Rose am Boden 
eine leuchtende Krone bilden.

Und daß wir aus der Flut,
daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Hilde Domin

Sonntag, 28. April 2013

herz, mein herz


herz, mein herz
wir sind zerrissen
zwischen den zeiten
zwischen den orten,
zwischen gestern und heute
und dem wunsch, das zeitlos schöne möge ewig währen.

seele, meine seele
wir sind gegangen
in das große, neue leben
durch den nebel zurück nach vorn
lass uns weinen um den verlust
lass uns lachen über den gewinn

Sonntag, 14. April 2013

Über die Dörfer

Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit. Sei nicht die Hauptperson. Such die Gegenüberstellung. Aber sei absichtslos.
Vermeide die Hintergedanken. Verschweige nichts. Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. Zeig deine Augen und wink die andern ins Tiefe, sorge für den Raum und betrachte einen jeden in seinem Bild. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig.
Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser. Kehr ein, wo du Lust hast und gönn dir die Sonne. Vergiß die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach den Konflikt.
Beweg dich in Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach.

Peter Handke


Montag, 4. Februar 2013

Was an dir Berg war

Was an dir Berg war
Haben sie geschleift
Und dein Tal
Schüttete man zu
Über dich führt
Ein bequemer Weg.
Bertolt Brecht 

Mittwoch, 16. Januar 2013

Gestutzte Eiche

Wie haben sie dich, Baum, verschnitten
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.


Hermann Hesse, Juli 1919

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Und immer wieder kommt die Welt


Ich sehne mich nach einer stillen Stelle,
wo ich das Leben wieder lieben kann;
des Windes Leben und die Welt der Welle.
Da hielt ich meine Hände in die Helle
Des ersten Morgens wie der erste Mann.

Ich will ein Kloster gründen; denn die Zelle
ist ja der dunkle Anfang aller Dinge.
Ich will ein Kloster bauen für Geringe,
die sich nicht brüsten mit der neuen Zeit.
Mit dieser Zeit des Drängens und der Drähte,
mit dieser Zeit der rasenden Geräte,
mit dieser Zeit, die siedet, schäumt und schreit.
Ich will die Hand, die schlichte Dinge täte,
die gerne wieder jätete und säte,
zurückgewinnen für die Ewigkeit.

Rainer Maria Rilke (1902)

Dienstag, 2. Oktober 2012

die welt...


die welt wird heut noch an dir reißen
dich wegziehn von der quelle ort
komm wieder ruft sie voller wehmut
komm wieder und geh seltner fort

Sonntag, 23. September 2012

mascha kaleko - rezept


Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank. 


Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit. 

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück. 

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten. 

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen. 

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten. 

Sonntag, 1. Juli 2012

jedes meer hat ein ufer


jedes meer hat auch ein ufer
mit jedem leiden ist auch einmal schluß
und es gibt auch keinen zweifel
dass das gute siegen muß

jedem regen folgt die sonne
nach jedem ende fängt auch neues an
und es gibt auch keinen zweifel
dass das gute siegen kann

jede nacht hat auch ein morgen
jede leere wird auch wieder voll
und es gibt auch keinen zweifel
dass das gute siegen soll

jedem winter folgt ein sommer
jeder menschenschritt ist gottgeführt
und es gibt auch keinen zweifel
dass das gute siegen wird

Montag, 21. Mai 2012

himmelhoch


ein Paar schwäne
und ein großer pott
zwei marienkäferbrummer
und ein guter gott

17 schwalben
und ein liebes wort
eine hängemattenschaukel
und ein stiller ort

duft und blumen
hier und dort